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Montag, November 20, 2017

Faszination Square Dance

Square Dance ist mehr als Tanz. Es ist ein Zusammenwirken von Menschen jenseits Rasse, Religion und Hierarchie. Es ist Teamwork im ureigensten Sinn, denn Tänzer und Caller sind aufeinander angewiesen. Auch innerhalb der Squares gilt dies: wenn nur einer patzt, trifft es sieben andere mit. Nicht, dass dies schlimm wäre, denn Toleranz wird groß geschrieben.

Square Dance ist Mitdenken. Im Gegensatz zu Folklore und Standardtanz werden keine festgelegten Sequenzen einstudiert. Der Student einer Square Dance-Class lernt die einzelnen Tanzschritte eines Programms. Die Kombination dieser Figuren zu einem flüssigen Tanz ist einzig und allein Aufgabe des Callers, die Tänzer müssen stets aufpassen und seine Calls ausführen. Dies macht den besonderen Reiz aus und fordert die Tänzer mehr als das Tanzen fest eingeübter Sequenzen. Es hängt so wesentlich von dem Improvisationstalent des Callers ab, wie er seine Tänzer durch die Figurenvielfalt führt. Er muss ein guter Pädagoge sein, um neue Schritte einleuchtend erklären zu können. Er sollte auch etwas von einem Psychologen haben, da er ständig mit größeren Gruppen arbeitet, die unterschiedlichen Stimmungen unter­worfen sind. Und er muss den Tanzspaß \'rüberbringen. Wahrlich keine leichte Aufgabe!

Square Dance ist international. Dadurch, dass überall auf der Welt die gleichen Programms gelehrt werden, ist es egal, wo man mittanzt. Auch dies ist ein erheblicher Vorteil gegenüber den üblichen Tänzen, wo es schon innerhalb einer Stadt derartige Unterschiede bei Tanzschulen geben kann, dass zwei Partner eine längere Eingewöhnungszeit brauchen. Die Square Dance-Sprache ist Englisch, die Figuren haben überall den gleichen Namen. Auch dies fördert die Zusammenarbeit. Dabei muss man als Deut­scher keinesfalls Englisch beherrschen, um Square Dance zu tanzen. Die Class wird selbstverständlich in Deutsch gehalten. Man lernt sozusagen ein wenig Englisch nebenher.

Square Dance ist Gemeinschaft. Am deutlichsten kommt dies in den Tanztreffen zum Ausdruck. Viermal im Jahr finden in Europa sogenannte Jamborees statt. Diese werden von einem gastgebenden Club ausge­richtet. In großen Hallen treffen sich zwischen 800 und 2000 Square Dancer aus aller Welt. Sie übernachten in Hotels, Jugendherbergen, im Zelt oder Campingbus oder mit Schlafsack in einer der Hallen. Oft jedoch auch bei Mitgliedern des gastgebenden Clubs. Sehr viele Freundschaften wurden auf diese Weise geschlossen, nicht selten über Grenzen und Ozeane hinweg. Neben den großen Veranstaltungen stehen jedes Wochenende viele regio­nale Treffs, die Special Dances, auf dem Programm. Clubs richten diese Treffen zu besonderen Gelegenheiten aus und laden Square Dancer aus nah und fern dazu ein. Manche Specials erreichen Teilnehmerzahlen bis zu 500 Besuchern, normal sind 100 bis 250. Sie werden gerne benutzt, um den Anwohnern am Clubort zu zeigen, was Square Dance ist.

Square Dance ist offen. Offen für Menschen jeden Alters, jeder Religion, jeder Hautfarbe und beiderlei Geschlechts. Die jüngsten Square Dancer standen bereits im Mutterleib auf der Tanzfläche, selber angefangen haben sie mit fünf oder sechs Jahren. Und selbst mit achtzig sind gestandene Square Dancer noch nicht zu alt für einen Tip. Es gibt ganze Familien, die gemeinsam von diesem Virus befallen sind. Wo gibt es sonst noch ein Hobby, das von wirklich allen Altersgruppen gemeinsam aus­geübt werden kann? Selbst Körperbehinderte haben die Chance, an dieser Aktivität teilzunehmen, ohne dass man ihnen eine «Extrawurst» braten muss. In Hannover gibt es eine Gruppe, bei der Rollstuhlfahrer, spastisch Gelähmte und Nichtbehinderte gemeinsam tanzen. Einige dieser auf den Rollstuhl angewiesenen Menschen sind in der Lage, ganz normal in Squares mitzutanzen!

Square Dance ist Mitmachen. Neben regelmäßigen Tanztreffen und größeren Veranstaltungen gibt es Hunderte von Aktivitäten, die ein Square Dance Club unternimmt. Da werden Bustouren zu entfernten Clubs und Veranstaltungen organisiert. Man trifft sich in den Sommerferien im Garten eines Mitglieds oder Sylvester im großen Keller eines anderen. Oder man besucht Caller, die sich in entfernte Gegenden aufmachen um einen Club zu gründen.

 

 

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